
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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100 Wissenschafts-, Behörden- und Industrie-
organisationen aus 19 Staaten. Es steht un-
ter der Schirmherrschaft der Kernenergieagen-
tur NEA der OECD und feierte 2008 sein 50-jäh-
riges Bestehen. Das HRP hat zwei Stossrich-
tungen: Brennstoff- und Materialverhalten sowie
Mensch-Technik-Organisation. Experimentelle
Arbeiten werden primär im norwegischen Hal-
den durchgeführt, wo rund 250 wissenschaft-
liche Mitarbeitende am Projekt beteiligt sind und
ein Versuchsreaktor, eine Werkstatt zur Herstel-
lung instrumentierter Brennstoff-Versuchsanord-
nungen, ein Labor zur Interaktion von Mensch
und Maschine (Man-Machine Laboratory) sowie
ein Simulationszentrum (Virtual Reality Centre)
zur Verfügung stehen (Abbildung 1). Forschungs-
einrichtungen in den Mitgliedsländern (z.B. Paul
Scherrer Institut) oder die Nuklearindustrie (z.B.
Kernkraftwerk Leibstadt) beteiligen sich ebenfalls
an den Experimenten. Die schweizerischen Part-
nerorganisationen des HRP – ENSI, PSI, Kernkraft-
werksbetreiber – tauschen die Information zum
und ihre Bedürfnisse an das Programm im Rah-
men eines nationalen Komitees aus. Über ihre
Vertreter in den HRP-Gremien Halden Programme
Group (verantwortlich für die technisch-wissen-
schaftliche Steuerung des Programms) und Hal-
den Board of Management (verantwortlich für
die Aufsicht und Strategie des Programms) spei-
sen sie diese Bedürfnisse ins Projekt ein. Das ENSI
hat Einsitz im Board of Management, die schwei-
zerischen Kernkraftwerke und das PSI haben je
einen Vertreter in der Programme Group.
Die Arbeiten im hier beschriebenen Projektbereich
führen zu grundlegenden Erkenntnissen über die
Eigenschaften und das Verhalten von Leichtwas-
serreaktor-Brennstoffen und -Materialien, die lan-
ge Zeit im Reaktor im Einsatz sind. Dazu gehö-
ren auch Versuche, in denen Kernbrennstoffe
schnell wechselnde Druck- und Temperaturbedin-
gungen durchlaufen, wie sie in Reaktoren bei so-
genannten Transienten auftreten, beispielswei-
se infolge eines Kühlmittelverlust-Störfalls. Bei
den Kernbrennstoff-Experimenten werden Brenn-
stabsegmente in instrumentierte Versuchsanord-
nungen eingesetzt und im Halden-Reaktor weiter
bestrahlt. Die Brennstabsegmente können wäh-
rend der Bestrahlung auch Druck- und Tempera-
turänderungen ausgesetzt werden, und die Reak-
tion des Brennstoffs und Hüllrohrs auf diese Än-
derungen wird laufend sowie im Anschluss an den
Versuch mittels Nachbestrahlungs-Experimenten
analysiert.
Die Berichterstattung über die Arbeiten im Bereich
Mensch-Technik-Organisation findet sich im Kapi-
tel 1.4.1.
Projektziele des Berichtsjahres
und wichtige Ergebnisse
Der Halden-Reaktor war im Jahre 2011 wie ge-
plant 190 Tage im Volllast-Betrieb, dabei wurden
zwölf Experimente ausgeführt. Zumeist werden
dabei Kernbrennstoff-Anordnungen in sogenann-
ten Loop Systems bestrahlt, in denen die thermo-
hydraulischen Bedingungen von Leichtwasserre-
aktoren simuliert werden. Dank ausgeklügelter In-
strumentierung können zahlreiche Parameter wie
Temperaturverlauf oder Brennstab-Innendruck
und Brennstabverformung während des Versuchs-
ablaufs gemessen werden. Andere Daten werden
durch anschliessende Untersuchungen der einge-
setzten Materialien im Hotlabor in Kjeller gewon-
nen (sogenannte Post Irradiation Examination PIE).
Im Jahre 2011 wurden unter anderen folgende
Versuche durchgeführt:
Langfristige Versuche an mit Gadolinium dotiertem
Brennstoff haben gezeigt, dass es im Gegensatz
zu undotiertem Brennstoff zu keiner Nachver-
dichtung kommt. Die Schwellraten sind für beide
Brennstoffarten ähnlich. Gadolinium ist ein Neu-
tronenabsorber, der im Laufe des Einsatzes im Re-
aktor verbraucht wird.
Ein Experiment zum nicht-thermischen Kriechen
von Uranoxid- und Mischoxid-Brennstoff unter Be-
strahlung wurde a/jointfilesconvert/360025/bgeschlossen. Es zielte darauf
ab, Daten für die Modellierung des Brennstoff-
Verhaltens bei der mechanischen Interaktion zwi-
schen Brennstoff und Hüllrohr (Pellet Cladding Me-
chanical Interaction PCMI) zu erhalten. Dabei wur-
de mit Chrom dotierter Brennstoff und undotierter
Brennstoff verglichen. Nach dem Ende der Brenn-
stoff-Verdichtung wurden axiale Spannungen von
30, 45 und 60 MPa bei Temperaturen zwischen
400 und 800 °C angelegt. Die Kriechrate des mit
Chrom dotierten Brennstoffs erwies sich als ver-
gleichbar mit der des undotierten Brennstoffs, der
Temperatureinfluss war gering.
Seit mehreren Jahren läuft eine Versuchsserie zum
Verhalten von hoch a/jointfilesconvert/360025/bgebrannten Brennstäben
unter Bedingungen, wie sie bei einem Kühlmittel-
verlust-Störfall auftreten. Bei einem solchen Stör-
fall werden die Brennstäbe in relativ kurzer Zeit er-
höhten Druck- und Temperaturbedingungen aus-
gesetzt, und beim anschliessenden Wiederbefüllen
des Reaktordruckbehälters werden sie mit kühlem
Wasser a/jointfilesconvert/360025/bgeschreckt, was zu grossen Material-
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