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ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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❚ Das Notfallmanagement ausserhalb der An-
lage muss ebenfalls auch unter erschwerten
Bedingungen wie einer zerstörten Infrastruk-
tur funktionieren und dementsprechend vor-
bereitet sein. Für den Schutz der Bevölkerung
müssen klare Vorkehrungen getroffen sein,
eine allfällige Evakuation der Kraftwerksum-
gebung muss gut durchdacht und klar gere-
gelt sein.
❚ Die internationale Kooperation im Nukle-
arbereich muss verbessert werden. Nötig sind
insbesondere mehr Verbindlichkeit der inter-
nationalen Vorgaben und mehr Transparenz,
ohne die vorhandene Abkommen wenig Wir-
kung entfalten.
❚ Zentral für die nukleare Sicherheit sind die Si-
cherheits- und Aufsichtskultur. Sie basieren
wesentlich auf der Unternehmenskultur der
Beaufsichtigten und der Unabhängigkeit der
Aufsicht, aber auch auf länderspezifischen
kulturellen Faktoren. Eine hinterfragende Hal-
tung ist bei allen Beteiligten zu fördern.
− Nach dem Versagen eines Notstrom-Dieselge-
nerators im französischen Kernkraftwerk Bla-
yais ergab dessen Untersuchung eine vorzei-
tige Qualitätsverschlechterung der Pleuellager-
schalen des Motors, mit der auch bei anderen
Notstrom-Dieselgeneratoren gerechnet werden
muss. Pleuellagerschalen dieses Typs sind in Ge-
neratoren von acht französischen Kernkraftwer-
ken im Einsatz. Bei den Blöcken 3 und 4 des KKW
Tricastin sind im Unterschied zu den anderen be-
troffenen Standorten alle Generatoren damit
ausgestattet, was die Aufsichtsbehörde ASN mit
INES 2 bewertete. Die übrigen sieben Fälle wur-
den mit INES 1 bewertet. In der Schweiz sind
ausschliesslich im Kernkraftwerk Gösgen (KKG)
Dieselmotoren desselben Herstellers im Einsatz,
nicht aber Pleuellagerschalen des fehlerhaften
Typs. Das KKG weitete dennoch vorsorglich Mo-
toröl-Analysen an den Generatoren aus, um all-
fällige Schäden frühzeitig zu erkennen. Der Her-
steller leitete Motortests ein, welche vom KKG
und vom ENSI verfolgt werden.
− Bei den Blöcken 2 und 3 des französischen
Kernkraftwerks Cattenom wurde im Zuge ei-
ner Inspektion im Dezember festgestellt, dass
die Einspeiseleitung für die Kühlung der Brenn-
element-Lagerbecken nicht mit Öffnungen zur
Strömungsunterbrechung versehen war. Diese
sollen verhindern, dass aufgrund von Fehlern
unzulässig viel Wasser aus dem Becken a/jointfilesconvert/360025/bge-
saugt werden kann. Die ASN bewertete dies mit
INES 2. Die Schweizer Kernkraftwerke haben
die Übertragbarkeit des französischen Befundes
überprüft und einzelne zusätzliche Massnah-
men eingeleitet.
Internationale Zusammenarbeit
Durch die Zusammenarbeit mit internationalen Or-
ganisationen und ausländischen Aufsichtsbehör-
den stellt das ENSI sicher, dass die Schweiz im Be-
reich der nuklearen Sicherheit den internationalen
Standard erfassen und in die eigene Aufsicht um-
setzen kann. Das ENSI pflegt die Zusammenarbeit
insbesondere mit der IAEA, der OECD/NEA, der
WENRA und im Rahmen von bilateralen Abkom-
men unter anderem mit Frankreich, Deutschland,
Österreich und den USA. Das ENSI bringt die in der
Schweiz geltenden hohen Anforderungen an die
nukleare Sicherheit in die internationalen Harmo-
nisierungsbestrebungen ein.
Der Unfall von Fukushima prägte auch die interna-
tionale Zusammenarbeit im Berichtsjahr. IAEA und
NEA veranstalteten Ministerialkonferenzen, an de-
nen Konsequenzen und erste Lehren des Unfalls
diskutiert wurden. Der von der IAEA verabschie-
dete Aktionsplan greift die Anliegen der Schweiz
auf, darunter insbesondere periodische interna-
tionale Überprüfungen der nuklearen Sicherheit
in den Kernenergieländern und die Transparenz
von deren Resultaten; allerdings sollen die Mass-
nahmen weiterhin freiwillig von den Einzelstaaten
durchgeführt werden.
ENSI-Direktor Hans Wanner übernahm im Herbst
2011 den Vorsitz der WENRA, die massgeblich an
der Entwicklung des EU-Stresstests beteiligt war.
Das ENSI verpflichtete die schweizerischen Kern-
kraftwerke zur Beteiligung am Stresstest und
reichte der EU fristgerecht Ende Dezember den
Schweizer Länderbericht ein.
Das ENSI liess sich im November im Rahmen einer
IRRS-Mission der IAEA überprüfen. Während zwei
Wochen untersuchten 24 Experten aus 14 Natio-
nen, ob die Schweizer Nuklearaufsicht den IAEA-
Vorgaben entspricht. Sie kamen zu einem posi-
tiven Ergebnis, das insgesamt 19 «Good Practices»,
also vorbildlichen Lösungen, umfasst. Sie machten
aber auch konstruktive Empfehlungen und Vor-
schläge für weitere Verbesserungen, an denen das
ENSI bereits arbeitet.
Im April fand in Wien die 5. Überprüfungskonfe-
renz der Convention on Nuclear Safety CNS (Si-
cherheit von Kernkraftwerken) statt. Die bereits
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