
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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Folge der Sistierung der KKW-Neubauprojekte
wurde dieses Projekt auf die Kopplung von Vor-
gängen in Reaktoranlage und Containment be-
stehender Kernkraftwerke ausgerichtet.
6. Die anwendungsbezogenen Arbeiten im Strah-
lenschutz reichen von der Strahlenmesstechnik
über die Aeroradiometrie bis hin zur Entwick-
lung neuer Analysemethoden für Radionukli-
de. Zudem trägt die Mitarbeit an internationa-
len Normen zur länderübergreifenden Harmo-
nisierung von Methoden im Strahlenschutz bei.
7. Mit dem Fortschreiten des Verfahrens gemäss
dem Sachplan geologische Tiefenlager wird
auch die Forschung im Themenbereich Ent-
sorgung immer wichtiger. Neben der Untersu-
chung des Wirtsgesteins Opalinuston im Felsla-
bor Mont Terri spielen die Auslegung und Über-
wachung von Tiefenlagern, die Eigenschaften
der radioaktiven Abfälle, deren Gasentwicklung
sowie der Einfluss von möglichen zukünftigen
Gletschern eine Rolle. Das ENSI unterstützt neu
ein Projekt der Universität Bern, das die langfri-
stige Landschaftsentwicklung im Alpenvorland
betrachtet, und verstärkt sein Engagement bei
einer OECD-Arbeitsgruppe, die sich mit der Ent-
sorgung radioaktiver Abfälle in Tongesteinen
befasst.
Lehrreiche Vorkommnisse in
ausländischen Kernanlagen
Vorkommnisse in Kernanlagen sind ein wichtiger
Bestandteil der Betriebserfahrung. Sie liefern kon-
krete Hinweise auf Schwachstellen und Verbesse-
rungsmöglichkeiten in sämtlichen Bereichen der
Auslegung und des Betriebs. Über die Vorkomm-
nisse in Schweizer Kernanlagen berichtet das ENSI
im Aufsichtsbericht. Im vorliegenden Bericht ist
eine Auswahl besonders lehrreicher ausländischer
Ereignisse beschrieben. Sie wurden analysiert mit
dem Ziel, ihre Relevanz für die Schweizer Kernanla-
gen zu überprüfen. Demnach sind die wichtigsten
Ergebnisse aus Sicht des ENSI folgende:
− Der Unfall von Fukushima war das mit Abstand
wichtigste Vorkommnis im Jahre 2011. Am 11.
März ereignete sich an der Nordostküste Japans
das stärkste bisher registrierte Erdbeben in der
Geschichte Japans. Alle betroffenen Kernkraft-
werke haben die unmittelbaren Einwirkungen
des Erdbebens gut überstanden. Der vom Erd-
beben ausgelöste Tsunami hat aber anschlies-
send auf dem Areal des Kernkraftwerks Fuku-
shima Dai-ichi eine Vielzahl von Hilfsanlagen,
Wasserfassungen, Rohrleitungen etc. zerstört.
Dadurch versagten die Strom- und Kühlwasser-
versorgung am Standort. Trotz Notfallmanage-
mentmassnahmen konnten bei vier der sechs
Reaktorblöcke von Fukushima Dai-ichi schwe-
re Schäden nicht vermieden werden. Es kam
zu erheblichen Freisetzungen von Radioakti-
vität in die Umwelt, der Unfall wurde deswe-
gen auf der höchsten Stufe 7 der Ereignisskala
INES klassiert. Die Umgebung des Kraftwerks-
standorts wurde weiträumig evakuiert.
Das ENSI hat den Unfall mit einer internen, in-
terdisziplinären Gruppe vertieft analysiert, um
daraus allfällige Schlüsse für die Sicherheit der
Kernkraftwerkanlagen in der Schweiz zu ziehen.
Die Ergebnisse wurden in Form von vier Berich-
ten zwischen August und Dezember 2011 veröf-
fentlicht (http://www.ensi.ch/de/dossiers/fukus-
hima-2/). Die wichtigsten übergeordneten Leh-
ren können in folgenden fünf Punkten zusam-
mengefasst werden:
❚ An erster Stelle steht eine korrekt auf das lo-
kale Gefährdungsprofil a/jointfilesconvert/360025/bgestimmte Ausle-
gung jedes Kernkraftwerks. Denn diese be-
stimmt massgeblich die Robustheit der An-
lage, indem sie bereits die Entstehung eines
schweren Unfalls verhindert. Die Gefähr-
dungsannahmen müssen regelmässig für je-
den Standort gemäss dem Stand von Wissen-
schaft und Technik neu überprüft und defi-
niert werden.
❚ Für die Beherrschung eines sich dennoch
entwickelnden Unfalls und für die Begren-
zung von dessen Auswirkungen müssen alle
notwendigen Notfall-Einrichtungen und
-Proze duren verfügbar sein. Diese umfassen
insbesondere Notstrom-Dieselgeneratoren,
Einrichtungen zur Verhinderung von Wasser-
stoff-Explosionen, gefilterte Containment-
Druckentlastung und adäquate technische
Entscheidungshilfen für das Unfallmanage-
ment (Severe Accident Management Guidance
SAMG). Das Unfallmanagement muss darauf
ausgerichtet sein, auch unter erschwerten äus-
seren Bedingungen alle Betriebszustände so-
wie sämtliche Phasen eines schweren Unfalls
abzudecken. Dazu gehört auch ein lang an-
dauernder Ausfall sämtlicher Wechselstrom-
quellen und der letzten Wärmesenke. Dafür
nötige Ausrüstung muss auch extern gelagert
sein und zum Beispiel mittels Helikoptern an
den Einsatzort transportiert werden können.
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