
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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lischen Phänomene sind relevant für die Sicher-
heit der Anlage. Sie beeinflussen unter anderem
den Druck und die Temperatur im Containment
sowie die Verteilung und den Transport der Gase
(Luft, Dampf, Wasserstoff) und der Radioisotope
innerhalb der verschiedenen Abschnitte im Con-
tainment. Diese Faktoren sind entscheidend für die
Beurteilung der Integrität des Containments und
eine allfällige Freisetzung von radioaktiven Stoffen
(Quellterm).
Derzeit sind die mit der Wärme- und Massenbilanz
zusammenhängenden Prozesse in einem sich be-
wegenden Flüssigkeitsfilm auf einer Oberfläche in
den meisten Rechencodes für Leichtwasserreak-
toren nur unzureichend a/jointfilesconvert/360025/bgebildet. Dies betrifft
neben den Codes, die effektive Parameter und
Korrelationen verwenden, auch aktuelle Simulati-
onsprogramme für die Fluiddynamik (Computati-
onal Fluid Dynamics CFD) und deren Behandlung
der Filmdynamik.
Das Hauptziel dieses Projekts ist ein verbessertes
Verständnis der raum-zeitlichen Dynamik eines
Flüssigkeitsfilmes, das heisst der Kondensati-
on, Bewegung und Wiederverdampfung, an be-
heizten vertikalen Oberflächen. Mit den hochprä-
zisen Experimenten am PSI soll ein physikalisches
Modell entwickelt werden, um es in Rechenpro-
grammen für Sicherheitsanalysen von Leichtwas-
serreaktoren, zum Beispiel für die Berechnung der
Containment-Thermohydraulik, einsetzen zu kön-
nen.
Der fortgeschrittene ASTEC-Code soll dann in Zu-
sammenarbeit mit der französischen IRSN vom
Doktoranden als Referenz-Code zum Testen und
Validieren der neuen Modelle verwendet werden.
Die Projektzusammenarbeit trägt zur internationa-
len Vernetzung des PSI und des ENSI bei. Parallel
zum ASTEC-Code wird der GOTHIC-Code am PSI
verwendet werden.
Ausblick
Die herausfordernden Aufgabenstellungen des
ers ten Projektjahres wurden einschliesslich der ge-
planten Testmessungen erfüllt. Die Einarbeitung
des Doktoranden in das Modul des ASTEC Codes
für die Behandlung von Kondensationsphäno-
menen im Containment ist für das Jahr 2012 vor-
gesehen, mit Unterstützung durch die französische
IRSN. Im Jahr 2012 soll auch das voranschreitende
Design des experimentellen SCARAB-Moduls fer-
tiggestellt werden. Die Konstruktion dieses Moduls
einschliesslich der Montage der relevanten Instru-
mentierung soll ebenfalls noch im selben Jahr
stattfinden, direkt gefolgt von einer Reihe von
Experimenten zur Flüssigkeitsfilm- Dynamik in einer
Umgebung mit Kondensation und Wiederver-
dampfung. Die ersten Experimentreihen werden
zunächst mit Atmosphärendruck durchgeführt.
1.5.4 MELCOR – Methods for
Estimation of Leakages and
Consequences of Releases
Auftragnehmer: Paul Scherrer Institut PSI
ENSI-Projektbegleiter: Peter Zinniker
Bericht der Forscher in Anhang A
Einleitung
Das Rechenprogramm MELCOR dient der Simula-
tion von schweren Unfällen in Leichtwasserreak-
toren. Es bildet Unfallverläufe vom auslösenden
Ereignis bis zur Freisetzung radioaktiver Substan-
zen in die Umgebung ab. Das Programm wurde
von den Sandia National Laboratories (SNL) für die
amerikanische Aufsichtsbehörde USNRC entwi-
ckelt und wird laufend den aktuellen Erkenntnis-
sen der Unfallforschung angepasst. In der Schweiz
wird MELCOR vom ENSI und von einigen Betrei-
bern der Schweizer Kernkraftwerke benutzt.
Ein bedeutendes Phänomen bei schweren Unfällen
ist die Oxidation der Brennstoff-Hüllrohre bei Luft-
zufuhr, wenn die Brennstäbe bei ungenügender
Kühlung a/jointfilesconvert/360025/bgedeckt werden. Sauerstoffeinbruch
kann die Zerstörung des Kerns beschleunigen und
die Freisetzung von Spaltprodukten erhöhen. Die
Hüllrohre bestehen aus Zirkoniumlegierungen und
werden ständig weiterentwickelt. Mit MELCOR soll
der Aufheiz- und Oxidationsprozess realistisch be-
rechnet werden können, wobei die neusten Ent-
wicklungen berücksichtigt werden.
Die bestehenden Luft-Oxidationsmodelle bilden
die relevanten physikalischen Prozesse nicht voll-
ständig ab, und daher ist nicht unter allen Umstän-
den gewährleistet, dass die Ergebnisse konserva-
tiv sind. Typischerweise erfolgt die Oxidation un-
ter sauerstoffreichen Bedingungen anfänglich sehr
schnell (parabolische Kurve) und geht mit dem An-
wachsen der schützenden Oxidschicht nach eini-
gen Minuten in einen linearen Verlauf über. Durch
Reaktionen der Oxidschicht mit Stickstoff können
Teile der Oxidschicht jedoch abbrechen, womit sich
an diesen Stellen die Oxidationsreaktion wieder
beschleunigt und ein quasi-zyklischer Verlauf von
Wachstum und Abbrechen der Oxidschicht entste-
hen kann. Das PSI entwickelte auf der Grundlage
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