
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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führt und mit Rechenprogrammen simuliert. Ne-
ben dem ENSI fördert das französische Institut de
Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) die-
se Arbeiten. In dem damit zusammenhängenden
Doktorandenprogramm wird das dynamische Ver-
halten von dünnen Flüssigkeitsfilmen auf einer
beheizten vertikalen Oberfläche in einer Wasser-
dampfatmosphäre untersucht. Darüber hinaus
werden die Auswirkungen des sich räumlich und
zeitlich verändernden Flüssigkeitsfilms auf die Ef-
fizienz des Wärmeübergangs betrachtet. Aus den
gemessenen Daten soll ein verbessertes physika-
lisches Modell für Simulationsprogramme des Si-
cherheitsbehälters (Containment-Codes) wie AS-
TEC oder GOTHIC entwickelt werden.
Projektziele des Berichtsjahres und
wichtige Ergebnisse
Wie geplant hat ein Doktorand Anfang 2011 seine
Tätigkeit aufgenommen, die im ersten Jahr haupt-
sächlich auf dem experimentellen Teil lag, und sich
in das Projekt einschliesslich der LINX-Anlage ein-
gearbeitet. Diese Phase beinhaltete eine kritische
Literaturstudie über die Dynamik von Flüssigkeits-
filmen (speziell für den Parameterbereich und die
Bedingungen mit Kondensation und Wiederver-
dampfung), die Evaluation verschiedener instru-
menteller Techniken für die Bestimmung der Dicke
und Temperatur von Flüssigkeitsfilmen, die An-
schaffung und Tests der entsprechend benötigten
neuen Messinstrumente sowie die Auslegung und
Entwicklung von Komponenten und Hilfsappara-
turen für die geplanten Experimente am PSI.
Erste Messungen zeigen, dass die Flüssigkeits-
schicht sehr heterogen ist. Es bilden sich verän-
dernde Tröpfchen und Tropfen verschiedener Grös-
se, die sich zu Rinnsalen (Rivulets) vereinigen. Die
Dynamik des Flüssigkeitsfilms hängt sehr von den
lokalen Eigenschaften der Platte ab, wobei es ins-
besondere wegen der Benetzungseigenschaften
grosse Unterschiede zwischen reinem Metall und
lackierten Oberflächen gibt. Deshalb werden, wie
für die Temperatur, auch für die Messung der Di-
cke der Flüssigkeitsschicht optische Methoden,
vornehmlich im nahen Infrarotbereich (Near In-
fraRed NIR) verwendet. Die optischen Methoden
greifen weniger in den Versuch ein und sind daher
geeigneter als die zunächst vorgesehene Metho-
de mit einem aufgeklebten Maschensensor. In Ab-
bildung 12 sind die Unterschiede der drei verwen-
deten optischen Messmethoden an einem Testbei-
spiel aufgezeigt. Für die gleichzeitige Anwendung
der entsprechenden Kameras und weiterer Mess-
techniken wird derzeit das experimentelle SCA-
RAB-Modul entworfen, in dem hochpräzise Rand-
bedingungen, z. B. für Oberfläche und Temperatur
der vertikalen Platte sowie den Massenstrom des
Flüssigkeitsfilms, vorgegeben werden können. Für
Versuche bei Atmosphärendruck genügt das Mo-
dul selbst. Für Experimente mit erhöhtem Druck
soll es in den LINX-Behälter eingebaut werden, der
auf 10 bar ausgelegt ist.
Bedeutung des Projekts,
Beitrag zur nuklearen Sicherheit
Während Störfällen in einem Leichtwasserreaktor
können auf den Oberflächen des Containments
Wasserfilme kondensieren, sich bewegen und an-
schliessend wieder verdampfen. Diese physika-
Abbildung 12:
Erläuterung der ver-
schiedenen optischen
Messungen. Dargestellt
ist ein PSI-Mitarbeiter,
der eine Tasse heissen
Wassers trinkt, wobei
die obere Darstellung
der gewohnten Sicht
entspricht. Das mittlere
Bild wurde im nahen
Infrarotbereich (NIR)
im optimalen Wellen-
längenbereich für die
Messung der Dicke des
Flüssigkeitsfilms und
mit Beleuchtung durch
eine Halogenlampe
aufgenommen. Ent-
sprechend der Absorp-
tionseigenschaften des
Wassers sieht die Tasse
hier tiefschwarz aus,
wie Kaffee. Das untere
Bild ist die Darstellung
im mittleren Infrarotbe-
reich (mid-wave infrared
MWIR), wie es für die
Temperaturmessung
verwendet wird. Die
heisse Tasse und das
mit Dampf aus der Tasse
beschlagene rechte Glas
der Brille sind entspre-
chend besonders hell.
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